Kind in Quarantäne: Muss ich zur Arbeit?

Informationen für Beschäftigte

Text: Dr. Alireza Khostevan
Foto: martinedoucet (iStock)

Stand: 28.09.2021

Wenn das Kind eines Arbeitnehmers etwa in der Schule oder in der Freizeit Kontakt zu einer positiv auf Covid-19 getesteten Person hatte, ordnet das Gesundheitsamt eine Quarantäne für das Kind an. Es darf die Wohnung bzw. das Hausgrundstück nicht verlassen und keinen Besuch empfangen. Unabhängig vom – hoffentlich negativen Testergebnis – bleibt die Quarantäne aufrecht. Es ist also nicht möglich, das Kind vorher wieder in die Schule zu schicken.

Von der Quarantäne als Kontaktperson ausgenommen sind Personen, die vollständig geimpft sind oder eine Corona-Erkrankung mit Symptomen durchgemacht haben. Sollten zukünftig Impfstoffe auch für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen werden, hätten Eltern damit die Möglichkeit, eine Quarantäne – und damit einhergehend eine Betreuung durch sie – zu vermeiden.

Massive Einschränkung der Freiheitsrechte

Eine häusliche Quarantäne stellt eine massive Einschränkung der Freiheitsrechte des Kindes dar. Der Betreuungsbedarf ist bei kleineren Schulkindern um ein vielfaches höher als sonst. Die Quarantäneanordnung gilt gegenüber dem Kind („Erstkontakt“); die übrigen Familienmitglieder dürfen sich weiter frei bewegen. Somit bleibt die Arbeitsverpflichtung der Eltern trotz der Quarantäne des Kindes grundsätzlich weiterhin aufrecht. Sie sollen möglichst untereinander die Betreuung aufteilen. Eine externe Betreuung, etwa durch Großeltern und Tagesmutter kommt hier wegen der Quarantäne nicht in Betracht.

Seit dem 19.11.2020 erhalten Eltern von unter Quarantäne stehenden Kindern (unter 12 Jahren) nach dem Infektionsschutzgesetz eine Entschädigung für den Verdienstausfall. Voraussetzung ist, dass sie ihr Kind selbst betreuen, beaufsichtigen oder pflegen müssen, weil sie keine anderweitige zumutbare Betreuungsmöglichkeit sicherstellen und ihrer Erwerbstätigkeit deswegen nicht nachgehen können. In den ersten sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber die Entschädigung für die Behörde an seine/n Arbeitnehmer/in aus. Die Höhe beträgt 67 Prozent des entstandenen Verdienstausfalls.

Entschädigung der Eltern

Die Entschädigung können Eltern bei gemeinsamer Betreuung je bis zu zehn Wochen und Alleinerziehende bis zu 20 Wochen in Anspruch nehmen. Zunächst beschränkt auf das Kalenderjahr 2021 hat jedes gesetzlich krankenversicherte Elternteil sogar einen Anspruch auf sogenanntes Corona-Kinderkrankengeld (SGB V) pro Kind von bis zu 30 Arbeitstagen beziehungsweise bis zu 60 Arbeitstagen bei Alleinerziehenden.

Bei mehreren betroffenen Kindern ist die Gesamtdauer auf 65 beziehungsweise 130 gedeckelt. Diese Leistung muss unmittelbar bei der Krankenkasse beantragt werden. Bei längeren Ausfallzeiten empfiehlt es sich, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um eine einvernehmliche Lösung zu erarbeiten. Die mit dem Arbeitgeber abgesprochenen Maßnahmen reichen von Arbeiten im Homeoffice über andere betreuungsgerechte Verteilung der Arbeitszeit, Abbau von Überstunden, bezahlter und unbezahlter Urlaub bis hin zu regulärer Arbeit im Betrieb. Immerhin hat auch der Arbeitgeber ein nachvollziehbares Interesse, den Geschäftsbetrieb am Laufen und gleichzeitig das Risiko einer Ansteckung der Kollegen und Kunden so gering wie möglich zu halten.

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