Fortschritte bei der Vereinbarkeit

In Deutschland und Bremen ist der Kita-Ausbau auf halbem Weg

Seit Jahren wird in neue Krippen, Kitas, Plätze und Personal investiert. Das ist erfreulich und wird noch viele Jahre erforderlich sein. Denn der Kita-Ausbau ist in Deutschland und Bremen erst auf halbem Weg. Notwendig ist deshalb auch eine weiterhin massiv steigende Zahl an zusätzlichen Fachkräften. Schon jetzt sehen sich viele in diesem Bereich Tätige häufig überlastet. Sie eröffnen stolz neue Einrichtungen, zusätzliche Gruppen und betreuen immer mehr Kinder. In der Stadt Bremen aktuell zum Beispiel über 600 Kinder mehr, als noch vor einem Jahr. Ein Erfolg – eigentlich. Da jedoch immer mehr Eltern schon frühzeitig für ihre Kinder einen Betreuungsplatz anmelden, steigt der Platzbedarf noch schneller als der forcierte Ausbau. Mit jedem neuen Kita-Jahr heißt es dann wieder, wie gerade jetzt im Sommer 2020: wieder fehlen mehr als 1. 000 Kita-Plätze, wieder Eltern ohne Betreuungsplatz oder schlicht „Kita-Krise“.

Foto: Kay Michalak

Es sind keine hellseherischen Fähigkeiten notwendig, und es ist auch keine Panikmache, doch die unbefriedigende Situation wird noch Jahre andauern. Das hört sich nicht ermutigend an. Zumal die frühkindliche Bildung bereits in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland, mit über 250.000 zusätzlich tätigen Menschen, eine stärkere Expansion hinter sich hat, als es sie in der Geschichte pädagogischer Einrichtungen jemals gab. Im Bereich der frühen Betreuung, Erziehung und Bildung, zu dem Kinder im Vorschulalter vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr gehören, sind mittlerweile ca. 768.000 Beschäftigte tätig (2018). Deutlich zeigt sich die Größe dieses Beschäftigungsbereichs bei einem Vergleich mit den 763.000 Lehrerinnen und Lehrern an den Allgemeinbildenden Schulen. Oder ein Blick auf die sich ebenfalls sehr dynamisch entwickelnde Altenpflege mit rund 520.000 Beschäftigten.

Bis zum Jahr 2025 wird ein weiterer Bedarf von bis zu 400.000 Fachkräften erwartet

Solide Berechnungen gehen davon aus, dass für das System Kindertagesbetreuung weitere 400.000 sozialpädagogische Fachkräfte in Deutschland benötigt werden. Dieser enorme Bedarf speist sich aus dem absehbar erforderlichen weiteren Ausbau der Angebote für Kinder unter drei Jahren, ganztätiger Einrichtungen für die Drei- bis Sechsjährigen sowie für den geplanten Rechtsanspruch auf ganztätiges Lernen im Grundschulalter bis zum Jahr 2025.

Bremen: Maßnahmen und Anreize, um Auszubildende und Personal zu gewinnen

  • Erstmals seit dem Schuljahr 2018/2019 können in Bremen mit jedem neuen Ausbildungsjahr 50 angehende Erzieherinnen und Erzieher die neue, praxisintegrierte Ausbildung (PIA) absolvieren. Gegenüber der bisher üblichen schulischen Ausbildung von jährlich rund 400 Erzieherinnen und 180 sozialpädagogischen Assistenzkräften, erhalten die „PIA-Erzieherinnen“ eine Vergütung von 1.140 Euro im ersten Ausbildungsjahr und 1.300 Euro im dritten Jahr. Praxisintegriert heißt die Ausbildung, weil die Auszubildenden vom ersten Jahr an in einer Kita arbeiten, anstatt wie bisher üblich in einem gesonderten „Anerkennungsjahr“. Nach den bisherigen Erfahrungen ist die Bewerbungssituation für das PIA-Modellprojekt ausgesprochen gut. Es scheint außerdem besser zu gelingen, bereits beruflich erfahrene Menschen und auch mehr Männer als üblich für den Beruf zu interessieren.
  • Neben der Ausbildung werden auch die normalen Arbeitsverhältnisse in der frühen Bildung attraktiver gestaltet und aufgewertet. Fast 60 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher des kommunalen Trägers KiTa Bremen bekommen seit 2019 mehr Gehalt durch eine höhere Entgeltgruppe (8b). Das gilt erstmal für alle stark belasteten Einrichtungen (nach Sozialindex), in denen besonders schwierige fachliche Tätigkeiten zum Alltag gehören. Diese bessere Bezahlung soll Schritt für Schritt auf alle Erzieherinnen und Erzieher ausgedehnt werden.

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  • Fortschritte bei der Vereinbarkeit - Krippenausbau ist erst „auf halbem Weg

    Erschienen in: Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen 2019

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  • Fiskalische Wirkungen eines weiteren Ausbaus ganztägiger Betreuungsangebote für Kinder im Grundschulalter

    DIW Berlin - Politikberatung kompakt 146

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  • Empfehlungen des Deutschen Vereins für die Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildung für (sozialpädagogische) Fachkräfte und Lehrende für den Bereich der Kindertagesbetreuung

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